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Präambel (Stand 23.01.2021)

AK

Einleitend möchten wir Folgendes mitteilen: Als Grundlage für diesen Text diente uns anfangs die Präambel einer anderen Selbsthilfegruppe, deren Text wir auf unsere Bedürfnisse hin umschrieben und ergänzt haben. Politische und soziale Ansichten wurden hier nicht formuliert, um Anwesende zu beeinflussen oder auszugrenzen. Sie sind unserer Ansicht nach die Folge der Umsetzung spiritueller Prinzipien und werden in gemeinsamen Arbeitsmeetings stetig weiter entwickelt.

Wer von uns hat problematisches Konsumverhalten und kann Hilfe gebrauchen?

Mit dem Begriff Konsum sind ganz verschiedene Verhaltensweisen gemeint, die uns selbst oder unserer Umgebung schaden. Wir meinen nicht nur Süchte nach legalen oder illegalen Drogen, sondern auch das Konsumieren nach zumindest in großen Teilen der Gesellschaft noch anerkannten Verhaltensweisen.. Dies können beispielsweise das übermäßige Streben nach Anerkennung, Arbeit als Verdrängungsmechanismus, Körperkult, usw. sein, um nur ein paar zu nennen.

Gleichermaßen richtet sich das Programm der AK an Menschen, die unter Symptomen leiden, welche als „krankhaft“ diagnostiziert werden, wie z. B. Depressionen, Schizophrenie, Borderline, ADHS, etc. Es geht also keineswegs nur um Kritik am klassischen Konsum, sondern vor allem um unsere individuellen Probleme.

Wir glauben jedoch, dass all diese verschiedenen Phänomene gleichen Ursprungs sind.

Es gibt den Konsum zwecks Befriedigung unserer ureigensten menschlichen Bedürfnisse. Darüber gibt es Konsum, der zum vermeintlichen Füllen derjenigen Löcher verwendet wird, die erst durch Nichtbefriedigung unserer echten Bedürfnisse entstanden sind. Leider dreht sich heutzutage bei vielen fast ihr ganzes Leben und Denken um das Ausleben und Befriedigen dieser vermeintlichen Bedürfnisse, egal welchen Schaden sie sich und/oder ihrer Umwelt damit zufügen. Eine Gesellschaft, in der das Habenwollen als Ersatzbefriedigung für all die Sachen kultiviert wird, die wir in Wirklichkeit am meisten wünschen, also Nähe zum Mitmenschen, sinnvolle Tätigkeit und Gelegenheit sich weiter zu entwickeln, usw. ist eine wesentliche Ursache dafür.

Viele von uns sind gesellschaftlich ausgegrenzt worden und fühlen sich vielleicht weitestgehend wertlos, obwohl gerade wir einen vergleichsweise besonders kleinen Schaden verursachen. Unser gesellschftlicher Nutzen besteht dann perfiderweise nur noch darin, den vielen verbliebenen als mahnendes Beispiel Angst einzujagen, was eben passiert, wenn Menschen nicht mehr brav mitspielen und eingeknastet, psychiatrisiert oder als Langzeitarbeitslosis ausgesondert werden. Die AK wollen aber gerade auch für diese Menschen einen Platz bieten.

Ob wir dies schon verstanden haben oder nicht, wir alle sind Menschen, deren Leben von diesem schädlichen, ständig fortschreitenden System stark beeinträchtigt wird. Die Auswirkungen sind immer die Gleichen, auf individueller Ebene z.B.: Abstumpfung, Vereinsamung, Fehlernährung, Verschuldung, Gefängnis oder Psychiatrie, stoffgebundene Süchte, totale Egozentriertheit usw. Auf globaler Ebene sind es beispielsweise: unfaire Verteilung des stofflichen Reichtums, Umweltzerstörung, Diskriminierung, Artensterben, Ressourcenkriege, Flüchtlingsaufkommen usw. Und wir stehen nicht am Ende der Entwicklung, die allmählich immer mehr Fahrt aufnimmt.

Für wen ist das Programm der anonymen Konsumentis und was bedeutet es?

Die AK sind eine Gemeinschaft von Menschen, die sich auf den Weg gemacht haben, diese Probleme zu erkennen und anzugehen. Wir sind Betroffene, die regelmäßig zusammenkommen und sich gegenseitig helfen, ursprüngliche Bedürfnisse freizulegen und den Drang, Ersatzbedürfnissen nachzugeben, einzudämmen oder sogar abzustellen.

Anders als in vielen anderen Selbsthilfegruppen glauben wir, dass das Mindern oder Beenden von problematischem Verhalten auch ohne göttliche Gnade funktioniert und mehr bedeutet, als sich als sogenanntes „nützliches Mitglied“ in einer zutiefst zerstörerischen Gesellschaft einzurichten.

Für diejenigen von uns, die schon vorher aktiv(istisch) an der Verbesserung der gesellschaftlichen Umstände wirkten, bieten wir ein Forum, sich von Altlasten zu befreien, sodass wir kraftvoller wirken können und anziehender werden.

Dies ist ein Programm zum Erreichen weitgehender Abstinenz von schädlichen Verhalten, zum Aufbau von Selbstvertrauen und widerständigem Leben, basierend auf spirituellen Prinzipien, die uns zum Beispiel zu mehr Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft, Empathie und zu weniger Egozentriertheit führen. Wie weit du gehen möchtest, entscheidest nur du.

Es gibt nur eine einzige Voraussetzung für die Zugehörigkeit: Die Bereitschaft, an sich selbst zu arbeiten und sich dem gemeinschaftlichen Prozess anzuvertrauen. Wir empfehlen Dir, aufgeschlossen zu sein. Unser Programm folgt spirituellen Prinzipien, die so einfach sind, dass wir ihnen in unserem täglichen Leben folgen können. Das Wichtigste daran ist – sie funktionieren.

Mit den AK sind keinerlei Verpflichtungen verbunden. Wir sind unabhängig von anderen Organisationen, wir haben keine Aufnahmegebühren oder Mitgliedsbeiträge, keine Verpflichtungen zu unterschreiben, und niemenschem müssen Versprechen gemacht werden. Wir haben keine Verbindungen zu Justizbehörden oder religiösen Gruppen und stehen niemals unter Aufsicht. Mitmachen können alle.

Die Neuankömmlingis sind die wichtigsten Personen bei jedem Meeting, denn wir können nur bewahren, was wir haben, indem wir es weitergeben. Wir nehmen an, bald sagen zu können, dass wir aus unseren Gruppenerfahrungen gelernt haben, und dass das Konsumverhalten derjenigen, die regelmäßig zu unseren Meetings kommen, besser wurde, ihr Selbstwert gestiegen ist, die Altlasten geschwunden sind.

Wir merkten, dass unser Konsumverhalten nur eine Scheinlösung für die Probleme und die Unzufriedenheit in unserem Leben war. Mit unserem Verhalten lösten wir keine Probleme, sondern manövrierten uns tiefer in ein unheilvolles Dasein. Mit unserem Konsumverhalten im Besonderen schadeten wir anderen Menschen, der Umwelt, Natur und uns selbst. Wir wollen keine Fluchten, kein Zaudern, keine Scheinlösungen mehr, sondern uns dem Leben und der Wirklichkeit stellen. Wir suchen Hilfe durch Selbsthilfe.

Wie es funktioniert

Wenn Du willst, was wir anzubieten haben und bereit bist, den Versuch zu unternehmen, es zu bekommen, dann bist Du in der Lage, gewisse Schritte zu unternehmen. Hier sind die Schritte, die uns in Richtung Freiheit führten:

  1. Wir erkennen und geben zu, dass unser Konsumverhalten problematisch ist und wir es nicht im Griff haben und/oder dass wir anderweitig Hilfe gebrauchen können
  2. Wir wollen uns - in einer Gruppe bzw. Gemeinschaft - mit anderen betroffenen Menschen unserem problematischem Verhalten stellen und entwickeln Vertrauen, dass es so funktionieren kann.
  3. Wir treffen eine Entscheidung, es so zu versuchen.
  4. Wir machen eine mutige Inventur von uns selbst, erforschen die Gründe unseres Verhaltens und entdecken die wahre Natur unserer Bedürfnisse.
  5. Wir überlegen, in welcher Form wir unsere Inventur teilen wollen, einem Coachi, der Gruppe, einem Rat oder ähnlichem und tuen dies.
  6. Wir entwickeln Bereitschaft, uns zu ändern.
  7. Wir machen eine Liste der Schäden, die wir verursacht haben und werden bereit, diese wieder gut zu machen.
  8. Wir machen diese Schäden wieder gut, wo immer es möglich ist, es sei denn, wir würden dadurch andere oder größere Schäden verursachen.
  9. Wir setzen die persönliche Inventur fort, und wenn wir Fehler machen, geben wir sie sofort zu.
  10. Wir suchen nach Techniken um unsere Verbundenheit mit dem Universum besser zu verinnerlichen.
  11. Nachdem wir als Ergebnis dieser Schritte bewusster geworden sind, versuchen wir, diese Botschaft an andere Betroffene weiterzugeben und unser tägliches Leben nach diesen Prinzipien auszurichten.

Dies alles hört sich wie eine riesige Aufgabe an, und wir können dies sicherlich nicht auf einmal bewältigen. Wir entwickelten unser schädliches Konsumverhalten und/oder unsere anderen Schwierigkeiten schließlich auch nicht über Nacht, deshalb sagen wir: Hab Geduld. Etwas steht unserer Entwicklung mehr im Wege als alles andere, und das ist eine gleichgültige oder intolerante Einstellung gegenüber spirituellen Prinzipien. Drei davon sind Ehrlichkeit, Aufgeschlossenheit und Bereitschaft. Sie führen uns auf den richtigen Weg. Wir glauben, dass unsere Art mit unserem problematischen Konsumverhalten und anderen Schwierigkeiten umzugehen, völlig realistisch ist: wir können einander helfen. Wir halten dies für einen praktischen Weg, denn niemensch ist besser in der Lage, betroffene Menschen mit Bereitschaft zur Veränderung zu verstehen und ihnen zu helfen, als andere betroffene Menschen mit Bereitschaft zur Veränderung. Wir glauben, je eher wir uns unseren Problemen in unserem Alltag und unserem Umfeld stellen, desto eher können wir unser schädliches Konsumverhalten zurückdrängen oder gar abstellen und andere Schwierigkeiten überwinden. So können wir ein notwendiger Ansporn für Menschen in unserer Umgebung werden.

Für diejenigen unter uns, die Probleme mit Substanzen haben, gilt, dass völlige Abstinenz erstrebenswert ist. In vielen Fällen ist diese unabdingbar, um einen Fuß auf den Boden zu bekommen. Besprich dies mit deiner Gruppe oder deinem Rat/deiner Rätin oder deinem Coachi z. B. in der Hilferunde im Meeting. Ob die Droge dabei in deinem Setting als legal oder illegal angesehen wird, spielt dabei nur eine völlig untergeordnete Rolle.

Die freien Vereinbarungen der AK

Bei den AK wird es sogenannte freie Vereinbarungen geben. Wir adaptieren diese für unsere Bedürfnisse aus den Traditionen von der Selbsthilfegruppe NA., sind aber noch nicht weit gekommen. Die Weiterentwicklung findet in sogenannten Literaturweiterentwicklungsmeetings statt. Wann diese stattfinden wird am Ende des Meetings mitgeteilt. Eine freie Vereinbarung ist allerdings jetzt schon klar und lautet wie folgt:

11. Anonymität ist die spirituelle Grundlage aller unserer freien Vereinbarungen und sollte uns daran erinnern, Prinzipien über Persönliches zu stellen.

praeambel.txt · Zuletzt geändert: 2021-01-23 18:24 von jule